Die aktuelle sozialpolitische Krise verlangt nach Propheten

Leonardo Boff
Ökologe-Theologe-Philosoph
Erdcharta Kommission

„Die Armen sagen uns, wer wir sind. Die Propheten sagen uns, wer wir sein könnten. Also verstecken wir die Armen und töten die Propheten“
Philip Berrigan
Jonah House

Prophezeiungen sind nicht nur ein biblisches Phänomen. Sie finden sich auch in anderen Religionen wie in Ägypten, Mesopotamien, Mari und Kanaan. Es gab und gibt sie zu allen Zeiten, auch in unserer. Um einige Arten von Propheten (prophetische Gemeinden, Visionäre, Kultpropheten, Hofpropheten etc.) soll es hier nicht gehen. Die Propheten des Ersten Testaments (des sogenannten Alten Testaments) wie Hosea, Amos, Micha, Jeremia und Jesaia waren Klassiker. Sie hatten ein Feingefühl für soziale Themen.

In der Tat gab es schon immer zu allen Zeiten des Christentums den prophetischen Geist. Dies lässt sich auch für hier und jetzt nicht leugnen, um nur Brasilien mit Dom Helder Camara, Kardinal Dom Paulo Evaristo Arns, Dom Pedro Casaldaliga u. a. zu nennen.
Ein Prophet ist eine Person, die sich empört, die für Recht und Gerechtigkeit kämpft, insbesondere im Einsatz für die Armen, die Schwachen und Witwen, und die auftritt gegen diejenigen, die die Bauern ausbeuten, die Gewichte und Maße fälschen, und die gegen den Luxus der königlichen Paläste aufstehen. Sie hören den Ruf in ihrem Inneren, der im biblischen Code als göttliche Mission interpretiert wird. Amos, der ein einfacher Hirte war, Micha, ein kleiner Bauer, und Hosea, der mit einer Prostituierten verheiratet war, verließen ihre alltägliche Arbeit und gingen auf den Tempelhof oder vor den Königspalast, um ihre Vorwürfe zu erheben. Doch sie prangerten nicht nur an. Sie kündigten Katastrophen an, und dann sprachen sie von neuer Hoffnung und einem neuen und besseren Neustart.
Propheten sind auch aufmerksam in Bezug auf nationale und internationale historische Ereignisse. Z. B. Micha tadelte in Ninive, der Hauptstadt des assyrischen Reichs: „Wehe der blutrünstigen Stadt, darin ist alles eine Lüge. Sie ist voller Raubüberfälle, und die Plünderungen nehmen kein Ende. Ich werde dich mit Dreck bewerfen“ (3,1.6). Jeremias nennt Babylon „die Metropole des Terrors“.

Wir müssen die Vorhersagen der Propheten richtig verstehen. Es ist nicht so, dass sie Katastrophen vorhersagten, als hätten sie Zugang zu einem speziellen Wissen. Gemeint ist eher: Wenn die bestehende Situation anhält und die Ausbeutung und die Praktiken gegenüber den Hilflosen kein Ende nehmen und Jahwe weiterhin nicht verehrt wird, dann wird etwas Schreckliches geschehen.

Natürlich sind die Propheten nicht schmeichelhaft für die Mächtigen, die Könige oder sogar das Volk. Sie werden als „Störer der Ordnung“ bezeichnet und als „Verschwörer gegen das Gericht oder den König“. Aus diesem Grund werden Propheten verfolgt, so wie Jeremia, der gefoltert und eingesperrt wurde. Andere wurden getötet. Nur wenige Propheten starben in hohem Alter eines natürlichen Todes, doch niemand kann sie zum Schweigen bringen.

Offensichtlich gibt es auch falsche Propheten. Jene, die in den Gerichten leben und Freunde der Reichen sind. Sie kündigen nur Angenehmes an und werden sogar dafür bezahlt. Es gibt einen klaren Widerspruch zwischen falschen und wahren Propheten. Ein Zeichen für die Echtheit eines Propheten ist, wenn er Kopf und Kragen riskiert, um sich für die Sache der Gedemütigten und die Erde einzusetzen, die stets nach Recht und Gerechtigkeit schreit und sich unermüdlich für das einsetzt, was recht und gerecht ist.
Propheten tauchen in Krisenzeiten auf, um illusorische Projekte anzuprangern und um einen Weg zu verkünden, der den Erniedrigten Gerechtigkeit bringt und der eine Gesellschaft schafft, die Gott gefällt, da sie den Gedemütigten und den Unsichtbaren dient. Recht und Gerechtigkeit sind die Grundlage von dauerhaftem Frieden. Dies ist die zentrale Botschaft der Propheten.

Wir erleben zurzeit eine schwere Krise sowohl auf nationaler als auch auf globaler Ebene. Gruppen von Wissenschaftlern und Analysten des Zustandes der Erde warnen uns, dass wir, wenn wir der Logik der grenzenlosen Akkumulation von Gütern folgen, eine schwerwiegende sozial-ökologische Katastrophe vorbereiten. Wir sind nicht auf dem Weg in die Erderwärmung. Wir befinden uns bereits in ihr. Die Zeichen dafür sind unleugbar.
Diese Stimmen, selbst die von höchster Autorität, werden weder von den „Entscheidungsträgern“ gehört noch von den Reichen. In unserem Land, das in eine beispiellose Krise getaucht ist und auf chaotische Weise von inkompetenten und sogar lächerlichen Personen regiert wird, fehlen Propheten, die anprangern und auf sinnvolle Wege hinweisen, die uns aus dieser Sackgasse hinausführen.

Die Worte von Marcio Pochmann befinden sich auf derselben Linie wie die der Propheten: „Wenn der durch Temer eingeschlagene Weg des Neoliberalismus beibehalten und nun durch den Ultraliberalismus vertieft wird, welcher die verwirrte Regierung Bolsonaros dominiert, wird die Entwicklung Brasiliens tendenziell wie die von Griechenland sein mit bankrott gehenden Unternehmen und einer zusammenbrechenden öffentlichen Verwaltung. Das Schlimmste kommt schnell auf uns zu.“ Andere gehen noch weiter: „Wenn sozialpolitische Reformen durchgesetzt werden, die der Marktlogik folgen, rein kompetitiv und nicht kooperativ, wird Brasilien in eine Nation der Parias verwandelt werden“. Wir brauchen religiöse und zivile Propheten, Männer und Frauen, die zumindest eine prophetische Haltung haben, um anzuprangern, dass der eingeschlagene Weg in eine Katastrophe münden wird.

Jesaias Worte sind aktuell: „Das Volk, das im Dunkel lebt, sieht ein helles Licht. Über denen, die im Land der Finsternis wohnen, strahlt ein Licht auf.“ (9,1-2)

Leonardo Boff
24.02.2019

Werbeanzeigen
Veröffentlicht unter Uncategorized | Verschlagwortet mit , , , | Kommentar hinterlassen

Unser aller mysteriöses Schicksal

Leonardo Boff
Öko-Theologe und Philosoph
Erdcharta-Kommission

Jede und jeder Einzelne von uns ist so alt wie das Universum, nämlich 13,7 Milliarden Jahre. Wir alle befanden uns in diesem winzigen Punkt, noch kleiner als ein Stecknadelkopf, doch voller Energie und Materie. Der Urknall schuf die enormen roten Sterne, die all die physikalisch-chemischen Elemente enthalten, die das Universum beinhaltet, und alle Wesen sind daraus entstanden. Wir sind die Söhne und Töchter der Sterne und des kosmischen Staubs. Wir sind auch der Teil der lebendigen Erde, der kam, um zu fühlen, denken, lieben und zu verehren. Durch uns ist der Erde und dem Universum bewusst, dass wir ein großes Ganzes bilden. Und wir können aus dieser Zugehörigkeit Bewusstsein entwickeln.

Was ist unser Platz in diesem Ganzen? Oder noch direkter: im Prozess der Evolution? Auf der Erde? In der Geschichte der Menschheit? Das können wir jetzt noch nicht wissen. Vielleicht ereignet sich die große Offenbarung in dem Moment, wenn wir den Schritt von dieser Seite des Lebens auf die andere Seite tun. Dort, so hoffe ich, wird alles klar sein, und wir werden überrascht sein, denn alles ist miteinander verknüpft und bildet die riesige Kette von Lebewesen und dem Gewebe des Lebens. Wir werden fallen – so glaube ich – in die Arme von Gott-Vater-und-Mutter der unendlichen Gnade für alle, die wegen ihrer Boshaftigkeit darauf angewiesen sind, und wir werden fallen in eine ewige liebevolle Umarmung für diejenigen, deren Leben von der Güte und Liebe geleitet wurden. Nach Durchlaufen dieser Klinik von Gottes Gnade werden auch die anderen kommen.

Als ich erst wenige Monate alt war, war ich dem Tode ganz nahe. Meine Mutter erinnerte sich, und auch meine Tanten erzählten immer wieder, dass ich “el macaquiño” hatte, der volkstümliche Ausdruck für eine schwere Anämie. Was immer man mir gab, ich erbrach es wieder. Jeder sagte im Dialekt des Veneto: “poareta, va morir” (Das arme kleine Kind wird sterben).

Verzweifelt, und es meinem Vater verheimlichend, der an solche Dinge nicht glaubte, lief meine Mutter zur Gebetsfrau, der alten Campañola. Sie betete und trug meiner Mutter auf: “Bereite deinem Kind ein Bad mit diesen Kräutern, und wenn du ein Brot im Ofen gebacken hast, warte, bis es lauwarm ist, und setze dein Kind hinein.” Dies tat Regina, meine Mutter. Sie höhlte das frisch gebackene Brot aus und legte mich hinein. Dort ließ sie mich eine Weile liegen.

Eine Veränderung ereignete sich. Als ich herausgehoben wurde, so sagten sie, begann ich zu weinen, suchte die Brust meiner Mutter und trank von ihrer Milch. Danach kaute meine Mutter feste Lebensmittel, die sie mir dann zu essen gab. Ich begann zu essen und wurde stärker. Ich überlebte. Und hier bin ich jetzt, ein offiziell 80 Jahre alter Mann.
Ich erlebte einige lebensbedrohliche Situationen, denen ich immer haarscharf entkommen bin: ein DC-10 Flugzeug in Flammen auf dem Weg nach New York; ein Autounfall, bei dem ich auf der Autobahn mit einem toten Pferd zusammenstieß, wobei ich mich schwer verletzte; ein riesiger Nagel, der während meiner Studienzeit in München direkt vor mir zu Boden fiel und der mich hätte töten können, wäre er auf meinen Kopf gefallen. Ich fiel in eine tiefe, von Schnee bedeckte Schlucht in den Alpen, und ein paar bayrische Bauern, die meine dunkle Kleidung sahen und beobachteten, dass ich immer tiefer fiel, zogen mich mit einem Seil heraus. Und es gab noch andere Situationen dieser Art.

Norberto Bobbio verlieh mir die Ehrendoktorwürde für Politik der Universität Turin. Er erkannte, dass die Befreiungstheologie einen großen Beitrag leistete, indem sie die historische Kraft der Armen bekräftigte. Die klassische Hilfestellung durch bloße Solidarität, durch die die Armen stets abhängig bleiben, ist unzureichend. Die Armen können die Akteure ihrer eigenen Befreiung sein, wenn sie sich dessen bewusst werden (concientizados) und sich organisieren. Wir überwanden das “für die Armen”. Uns geht es um das Gehen “mit den Armen”, indem sie die Protagonisten sind. Und diejenigen, die dazu in der Lage sind und dieses Charisma besitzen, leben als Arme. Das taten viele so, wie z. B. Dom Pedro Casaldaliga.

Ich erinnere mich, dass ich meine Dankesrede für die verliehene Doktorwürde, die ich dem großzügigen Norberto Bobbio verdanke, mit den folgenden Worten begann: “Ich stamme aus einem behauenen Stein, aus dem Boden der Geschichte, als wir nur gerade so das Nötigste zum Überleben hatten. Meine italienischen Vorfahren und meine Familie schufen eine Lichtung in einer unbewohnten Region, die mit Pinienwäldern bedeckt war, in Concordia, am Rande von Santa Catarina. Sie mussten kämpfen, um zu überleben. Viele starben in Ermangelung ärztlicher Versorgung. Später stieg ich auf der Leiter der Evolution auf: meine elf Brüder studierten, gingen zur Universität, und ich war in der Lage, mein Studium in Deutschland abzuschließen. Und nun stehe ich hier in dieser berühmten Universität”. Auf Bobbios Wunsch führte ich eine Studie im Sinn der Befreiungstheologie durch, in deren Zentrum die Option für die Armen steht, die sich gegen Armut wendet und die für soziale Gerechtigkeit eintritt. Ich habe in der ganzen Welt Vorträge gehalten, habe viele Bücher geschrieben, wischte Tränen weg und hielt die Hoffnung der Mitkämpfer aufrecht, die durch den Lauf der Ereignisse in unserem Land frustriert wurden.

Was wird mein Schicksal sein? Ich weiß es nicht. Ich wählte als mein Motto das meines Vaters, der danach lebte: “Wer nicht lebt, um zu dienen, führt kein Leben, das wert ist, gelebt zu werden.” Gott hat das letzte Wort.

Leonardo Boff
19.01.2019

Veröffentlicht unter Uncategorized | Verschlagwortet mit , , , , | Kommentar hinterlassen

Die Dummheit der Anti-Globalisierung

Leonardo Boff
Öko-Theologe und -Philosoph
Erdcharta-Kommission

Eine Welle der Anti-Globalisierung breitet sich weltweit aus. Dies ist vielleicht eine der regressivsten und absurdesten Phänomene heutzutage. Eine gewisse Anti-Globalisierung gab es bereits als Ergebnis des Protektionismus‘ einiger Länder, doch dies war keine Bedrohung für den allgemeinen und irreversiblen Globalisierungsprozess. Diese Welle wurde als politische Plattform von Donald Trump übernommen, dem, laut Wirtschafts-Nobelpreisträger Paul Krugman, dümmsten Präsidenten der Geschichte Nordamerikas. Dasselbe gilt für unseren kürzlich  designierten Präsidenten, den ehemaligen Kapitän Bolsonaro und seine Minister für Erziehung und das Äußere, allesamt Leugner dieses Phänomens, was nur desinformierten und mit Vorurteilen behafteten Personen nicht auffällt.

Warum ist dies eine solch unsinniger Fehler? Darum, weil er gegen die Logik eines unkontrollierbaren historischen Prozesses verstößt. Wir haben eine neue Phase in der Geschichte der Erde und der Menschheit erreicht. Wie wir wissen, begannen Menschen vor Jahrtausenden, aus Afrika kommend (wir alle haben afrikanische Wurzeln), sich über die ganze weite Welt zu verteilen, beginnend mit Eurasien bis hin zu Ozeanien. Am Ende des Jungpaläolithikums, vor ca. 40.000 Jahren, besetzten Menschen mit ca. einer Million Personen bereits den ganzen Planeten.

Im 16. Jahrhundert begann sich die Diaspora umzukehren. Im Jahr 1521 gelang Fernando de Magallanes die erste Reise rund um den Planeten, womit er bewies, dass die Erde rund ist. Jeder Ort kann von überall erreicht werden. Das europäische Kolonialisierungsprojekt verwestlichte die ganze Welt. Weitreichende Netzwerke, insbesondere für den Handel, verknüpften alles. Dieser Prozess begann im 17. Jahrhundert und setzte sich im 19. Jahrhundert fort, als der europäische Imperialismus mit Schwert und Muskete die ganze Welt seinen Interessen unterwarf. Wir im Äußersten Westen kamen bereits globalisiert zur Welt. Diese Bewegung wuchs noch im 20. Jahrhundert nach dem 2. Weltkrieg. Inzwischen ist sie durch das Internet komplett realisiert, das mit seinen sozialen Netzwerken in Lichtgeschwindigkeit alle miteinander verbindet. Auch die Wirtschaft trug dem Rechnung, vor allem durch die „große Transformation“ (K. Polanyi), den Übergang von einer Marktökonomie zu einer Marktgesellschaft. Alles, einschließlich selbst des Heiligsten der Wahrheiten und der Religionen, wurde zu einer Handelsware gemacht. Karl Marx bezeichnete dies in seinem Buch „Das Elend der Philosophie“ (1847) als „allgemeine Korruption“ und als „universelle Bestechlichkeit“.

Globalisierung, im Französischen nicht ohne Grund als „Planetisierung“ bezeichnet, ist ein unleugbarer historischer Fakt. Wir alle befinden uns am selben Ort: dem Planeten Erde. Noch stecken wir in der Tyrannosaurus-Phase der Globalisierung, die sich unter dem Zeichen der weltweit verbreiteten Ökonomie ausbildet. Sie ist so gefräßig wie der größte aller Dinosaurier, der Tyrannosaurus, da sie zutiefst unmenschlich ist im Hinblick auf die Armut, die sie schafft, und die absurde Anhäufung von Reichtum, die sie erlaubt.

Wir haben bereits die sozial-humane Phase der Globalisierung erreicht dank einiger inzwischen universeller Faktoren wie den Organisationen UNO, WHO, FAO (Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen) u. a., den Menschenrechten, dem demokratischen Geist, dem Bewusstsein eines gemeinsamen Schicksals als Menschheit auf dieser Erde und als Homo sapiens sapiens und demens, einer einzigen Spezies.

Wir ahnen bereits den Anbruch der ökozoisch-spirituellen Phase der Globalisierung. Die gesamte Ökologie und das Leben in seiner Diversität, und nicht die Ökonomie, werden im Zentrum stehen. Der Verehrung der gesamten Schöpfung und die neue Wertschätzung der Erde, die als Mutter angesehen wird und als einen lebendigen Super-Organismus, um den wir uns kümmern und den wir lieben müssen, sind zutiefst spirituelle Werte. Die Vorstellung breitet sich aus, dass wir ein Teil der lebendigen Erde sind, das mit einem hohen Niveau an Komplexität begann zu fühlen, zu denken, zu lieben und zu verehren. Die Erde und die Menschheit bilden eine Einheit, wie die Astronauten sehr richtig von ihren Raumschiffen aus bezeugt haben.

Der Augenblick ist bekommen, den der Paläontologe und Wissenschaftler Pierre Teilhard de Chardin im Jahr 1933 prophezeite: „Das Zeitalter der Nationen ist vorbei. Jetzt müssen wir, wenn wir nicht zugrunde gehen wollen, die Erde aufbauen“. Sie ist unser einziges gemeinsames Heim, das einzige, das wir haben, wie Papst Franziskus in seiner Enzyklika „Über die Sorge für das gemeinsame Haus“ (2015) betonte. Wir haben kein anderes.

Wir hören merkwürdige Vorurteile von künftigen Machthabern und Ministern, Globalisierung sei eine kommunistische Verschwörung zur Beherrschung der Welt. Dies kommt von solchen, die laut Chardin, sich nicht die Zeit nehmen, das Gemeinsame Haus zu bauen, sondern die Gefangene ihrer kleinen armseligen Welt sind, ihrer kleinen engstirnigen Gehirne, denen es an Licht mangelt.

Wenn sie nicht den neuen strahlenden Stern sehen können, so liegt dies nicht am Stern, sondern an ihren blinden Augen.

 

Leonardo Boff
10.12.2018

Veröffentlicht unter Uncategorized | Kommentar hinterlassen

Schreie aus Gefangenschaft und nach Befreiung am Black Awareness Day (Tag des Schwarzen Bewusstseins)

Leonardo Boff
Öko-Theologe und Philosoph
Erdcharta-Kommission

Die Passion Christi setzt sich seit Jahrhunderten unaufhörlich in den Körpern der Gekreuzigten fort. Jesus wird bis ans Ende der Welt in Qualen liegen, solange auch nur ein einziger Seiner Brüder oder Schwestern zum Kreuzesopfer wird, wie die buddhistischen Bodhisattvas (die Erleuchteten), die an der Schwelle zum Nirwana verharren, nicht eintreten, sondern in die Welt des Leidens – Samsara – zurück kehren in Solidarität mit allen Leidenden: Menschen, Tieren und Pflanzen. Aus dieser Überzeugung legt die Katholische Kirche in der Karfreitagsliturgie Jesus diese bewegenden Worte in den Mund:

„Mein Volk, sag mir, was habe ich getan, womit habe ich dich gekränkt? Was hätte ich noch für dich tun können? Woran habe ich es dir fehlen lassen? Ich ließ dich aus Ägypten ziehen und gab dir Manna zu essen. Ich bereitete dir ein gutes Land, aber du bereitetest ein Kreuz für deinen König.“

Wenn wir Brasilianer die Abschaffung der Sklaverei (13. Mai 1888) feiern, wird uns bewusst, dass sie immer noch nicht komplett abgeschafft ist. Die Passion Christi setzt sich in der Passion der Schwarzen fort. Wir brauchen eine zweite Abschaffung: die des Elends und des Hungers. Die Schreie aus Gefangenen und nach Befreiung sind immer noch zu hören. Sie kommen aus den „Senzalas“ (Sklavenunterkünften) und nun aus den Favelas, die sich um unsere Städte herum befinden. Die schwarze Bevölkerung spricht noch immer zu uns durch Klagen und Flehen.

“Meine weißen Brüder und Schwestern, mein Volk: Was habe ich dir angetan? Sagt, womit habe ich euch gekränkt?“

Ich inspirierte dich mit Musik voller „banzo“ (Traurigkeit) und ansteckender Rhythmen. Ich lehrte dich, auf „bumbo“, „cuica“ und „atabaque“ (brasilianische Trommeln) zu spielen. Ich war es, der dir den „Rock“ und die „Ginga des Samba“ gab. Und du nahmst, was mein war, machtest dir einen Namen, einen großen Namen, häuftest Geld an mit deinen Kompositionen und schenktest mir nichts im Gegenzug.

Ich kam herab von den Bergen und zeigte dir eine Welt voller Träume, eine Welt grenzenloser Geschwisterlichkeit. Ich schuf für dich Tausende von farbenfrohen Fantasien, und ich bereitete dir das größte Fest der Welt: Ich tanzte den Karneval für dich. Und du warst so sehr glücklich, dass du mir stehende Ovationen dafür gabst. Doch bald, sehr bald, vergaßt du mich, schicktest mich zurück in die Berge, in die Favelas, in die nackte und raue Wirklichkeit der Arbeitslosigkeit, des Hungers und der Unterdrückung…

“Meine weißen Brüder und Schwestern, mein Volk: Was habe ich dir angetan? Sagt, womit habe ich euch gekränkt?“

 

Als Erbe gab ich dir Bohnen und Reis, deine tägliche Nahrung. Aus den Resten bereitete ich dir „Feijoada“, „Vatapá“, „Efó“ und „Acarajé“: die typische Küche Bahias und Brasiliens. Und du ließest mich Hunger leiden und meine Kinder an Mangelernährung sterben oder an irreversiblen Gehirnschäden leiden, die sie dauerhaft unterentwickelt bleiben ließen.

Ich wurde gewaltsam aus meinem afrikanischen Heimatland herausgerissen.  Ich kannte das Sklaven-Gespensterschiff. Ich wurde zu einem Objekt gemacht, einem „Ding“, einem Sklaven. Ich war die schwarze Mutter für deine Kinder. Ich bestellte die Felder, erntete den Tabak und pflanzte das Zuckerrohr. Ich erledigte all diese Arbeiten. Ich war es, der die schönen Kirchen baute, die alle bewundern, und die Paläste, in denen die Sklavenbesitzer leben. Und du bezeichnest mich als träge und verhaftest mich wie einen Landstreicher. Du diskriminierst mich wegen meiner Hautfarbe und behandelst mich, als wäre ich noch immer ein Sklave.

“Meine weißen Brüder und Schwestern, mein Volk: Was habe ich dir angetan? Sagt, womit habe ich euch gekränkt?“

Ich konnte standhalten. Es gelang mir fortzulaufen und “Quilombos” zu gründen: geschwisterliche Gesellschaften ohne Sklaven, arm, aber frei: Schwarze, Mestizen und Weiße. Trotz der Peitschen-hiebe auf meinen Rücken schenkte ich der brasilianischen Seele Herzlichkeit und Süße. Und du schicktest mich zum „Capitão-Do-Mato“, jagtest mich wie ein Tier. Du zerstörtest meine „Quilombos“, und bis heute sorgst du dafür, dass die Abschaffung des versklavenden Elends keine ewig währende und effektive Wahrheit ist.

Ich zeigte dir, was es heißt, der lebendige Tempel Gottes zu sein, und darum auch, wie man Gott in einem Körper spürt, der angefüllt ist mit „Axé“ (brasilianische Musikrichtung), und Gott im Rhythmus, Tanz und Essen zu zelebrieren. Doch du unterdrücktest meine Religionen, nanntest sie „afro-brasilianische Riten“ oder betrachtetest sie als simple Folklore. Du drangst in meine „terreiros“ (Kultstätten) ein, bewarfst sie mit Dreck und zerstörtest unsere heiligen Figuren. Nicht selten machtest du aus der Macumba einen Kriminalfall. Die Mehrheit der umgebrachten Jugendlichen in den Randbezirken zwischen 18 und 24 Jahren sind Schwarze, und weil sie schwarz sind, werden sie verdächtigt, der Drogenmafia zu dienen. Die meisten von ihnen sind jedoch einfache Arbeiter.

“Meine weißen Brüder und Schwestern, mein Volk: Was habe ich dir angetan? Sagt, womit habe ich euch gekränkt?“

Wenn ich durch so viel Arbeit und Hingabe mein Leben verbessere, einen schwerverdienten Lohn erhalte, mein kleines Haus kaufe, meine Kinder erziehe, meine Samba singe, meinen Lieblingsverein anfeuere und mir am Wochenende ein kaltes Bier mit meinen Freunden leisten kann, sagst du, ich sei ein Schwarzer mit der Seele eines Weißen. Dadurch herabwürdigst du den Wert unserer Seelen als würdige und hart arbeitende Schwarze. Und bei der Jobvergabe gehe ich fast immer leer aus zugunsten eines Weißen, ungeachtet derselben Fähigkeiten.

Und als die Politik sich weiterentwickelte, um für die historische Perversität zu entschädigen und mir das zu ermöglichen, was du mir immer verweigertest: zu studieren und mich an den Universitäten und Technischen Hochschulen weiterzubilden, sodass ich meine Lebensumstände verbessern kann und die meiner Familie, dann ruft die Mehrheit deines Volkes: Das verstößt gegen die Verfassung, das ist Diskriminierung, ist soziale Ungerechtigkeit.

“Meine weißen Brüder und Schwestern, mein Volk: Was habe ich dir angetan? Sagt, womit habe ich euch gekränkt?“

Meine schwarzen Brüder und Schwestern, an diesem 20. November, dem Tag von Zumbí und des Schwarzen Bewusstseins, möchte ich dir meine Ehrerbietung erweisen. Dir und allen, denen es gelang, während dieser langen Zeit zu überleben, denn die Fröhlichkeit, die Musik, der Tanz und das Heilige sind alles in euch trotz dieses Kreuzwegs der Leiden, die euch ungerechterweise aufgebürdet werden.

Mit viel „Axé“ und Liebe, LEONARDO BOFF, weiß und schwarz, aus freier Wahl.

Leonardo Boff
24.11.2108

Veröffentlicht unter Uncategorized | Verschlagwortet mit | Kommentar hinterlassen

Mit Papst Franziskus endet die Kirche des Westens und beginnt die universelle Kirche

Leonardo Boff
Ökologe-Theologe-Philosoph
Erdcharta-Kommission

Das Pontifikat von Franziskus, dem Bischof von Rom und Papst der universellen Kirche, besteht nun seit fünf Jahren. Viele detaillierte und brillante Schilderungen wurden bereits über diesen neuen Frühling gemacht, der in der Kirche anbrach. Für meinen Teil möchte ich nur einige Punkte hervorheben, die für uns von Bedeutung sind.

Im ersten Punkt geht es darum, wie die Rolle des Papstes in der Gestalt, wie Franziskus selbst sie ausfüllt, revolutioniert wurde. Er ist nicht länger der herrschende Papst mit allen Machtsymbolen, die er von den römischen Kaisern geerbt hatte. Franziskus selbst tritt als eine einfache Person auf, als jemand, der zum Volk gehört. Seine ersten Grußworte, die er ans Volk richtete, waren „buona sera“: „Guten Abend“. Dann stellte er sich als der Bischof von Rom vor, der gerufen ist, liebevoll die Kirche weltweit zu leiten. Bevor er den offiziellen Päpstlichen Segen erteilte, bat er das Volk um dessen Segen. Er wählte, nicht in einem Palast zu leben – das könnte Franz von Assisi zum Weinen gebracht haben -, sondern in einem Gästehaus. Und dort nimmt er zusammen mit allen Gästen seine Mahlzeiten ein.

Der zweite wichtige Punkt ist die freudvolle Verkündigung des Evangeliums, eher als ein Überfließen des guten Lebens denn als eine Doktrin des Katechismus. Es geht nicht darum, Christus in die säkularisierte Welt zu bringen, sondern darum, die Präsenz Christi in der Welt zu entdecken im Dürsten nach Spiritualität, das überall sichtbar ist.

Der dritte Punkt behandelt drei Pfeiler im Zentrum seiner Aktivität: die Begegnung mit dem lebendigen Christus, die leidenschaftliche Liebe zu den Armen und die Achtsamkeit für Mutter Erde. Im Mittelpunkt steht Christus, nicht der Papst. Die lebendige Begegnung mit Christus hat Vorrang über der Doktrin.

Anstatt Recht und Gesetz verkündigt er unermüdlich Barmherzigkeit und die Revolution der Zärtlichkeit, wie er den Bischöfen auf seiner Reise durch Brasilien sagte.
In seiner ersten offiziellen Verkündigung drückte er die Liebe zu den Armen aus: “Wie wünschte ich, die Kirche sei eine Kirche der Armen”. Er traf die Flüchtlinge, die auf der Insel Lampedusa im Süden Italiens strandeten. Dort gebrauchte er strenge Worte für eine gewisse Art der modernen Zivilisation, die ihren Sinn für Solidarität verloren hat und nicht mehr in der Lage ist, über das Leid der Anderen zu weinen.

Mit seiner Enzyklika „Laudato Si: über die Sorge für das gemeinsame Haus“ (2015), die er an die ganze Menschheit richtete, schlug er ökologischen Alarm. Diese Enzyklika zeigt ein deutliches Bewusstsein für die Risiken, denen das Leben und die Erdsysteme ausgesetzt sind. Dazu weitet er den ökologischen Diskurs über den Umweltschutz hinaus aus. Er betont, dass wir eine globale ökologische Revolution (Nr. 5) ausrufen müssen. Ökologie ist ganzheitlich und nicht nur grün, denn sie umfasst die Gesellschaft, Politik, Kultur, Bildung, alltägliches Leben und Spiritualität. Sie vereint den Schrei der Armen mit dem Schrei der Erde (Nr. 49). Sie lädt uns ein, den Schmerz der Natur als unseren eigenen zu spüren, denn wir sind alle in einem Beziehungsnetzwerk miteinander verknüpft und verbunden. Papst Franziskus ruft uns auf „eine Leidenschaft für die Achtsamkeit für die Welt zu nähren … eine Mystik, die uns antreibt, innere Anschübe, die uns bewegen, motivieren, ermutigen und den persönlichen wie den gemeinsamen Aktionen Sinn verleihen“ (Nr. 216).

Beim vierten wichtigen Punkt geht es darum, die Kirche nicht als eine Festung zu zeichnen, die von Feinden umgeben ist, sondern als ein Feldlazarett, das allen zu Diensten ist ohne nach Klasse, Hautfarbe oder religiöser Überzeugung zu fragen. Eine Kirche, die sich stets auf die Anderen zu bewegt, insbesondere auf die Menschen an den zahlreichen existenziellen Peripherien der Welt. Die Kirche muss als ein Ansporn sein, um zur Hoffnung zu ermutigen und einen Christus aufzuzeigen, der gekommen ist, um uns zu lehren, als Brüder und Schwestern in Liebe, Gleichberechtigung, Gerechtigkeit und Offenheit zum Vater zu leben, der die Eigenschaften einer Mutter der Barmherzigkeit und Güte besitzt.

Abschließend zeigt der Papst mit klarem Bewusstsein, dass das Evangelium im Gegensatz steht zu den Mächten dieser Welt, die bis zur Absurdität Reichtum anhäufen, während sie einen Großteil der Menschheit im Elend zurücklassen. Wir leben in einem System, das Geld in den Mittelpunkt gerückt hat, das die Armen tötet und sich den Gütern der Natur als Raubtier zeigt. Für sie hat Franziskus die harschesten Worte. Er steht im Dialog mit allen religiösen und spirituellen Traditionen. Bei der Zeremonie der Fußwaschung am Gründonnerstag war auch ein kleines muslimisches Mädchen.

Papst Franziskus möchte, dass die Kirchen sich in ihrer Unterschiedlichkeit im Dienst an der Welt vereinen, vor allem im Dienst an den Hilflosesten. Dies ist die wahre Ökumene in Mission.

Mit diesem Papst, der “vom Ende der Welt kommt”, findet die Kirche des Westens ein Ende, und eine universelle Kirche beginnt, die zum planetarischen Zeitalter der Menschheit passt, gerufen, sich in den unterschiedlichen Kulturen zu inkarnieren und dort ein neues Gesicht zu finden, beginnend beim unerschöpflichen Reichtum des Evangeliums.

Leonardo Boff
23.03.2018

Veröffentlicht unter Uncategorized | Verschlagwortet mit , , | Kommentar hinterlassen

Dom Pedro Casaldaliga wird 90 Jahre alt: Armut und Befreiung

Leonardo Boff*
Ökologe, Theologe und Philosoph
Erdcharta Kommission

Der Pfarrer, Prophet und Poet Dom Pedro Casaldaliga feiert am 16. Februar 2018 seinen 90. Geburtstag. Wir möchten ihn gern mit einigen Gedanken ehren, die meiner Meinung nach den roten Faden aufzeigen, der sich durch sein Leben als Christ und Bischof zieht: das Verhältnis, das er zu Armut und Befreiung entwickelte. Unter Gefährdung seines eigenen Lebens erlebte und beobachtete er sowohl Armut als auch Befreiung der am meisten Unterdrückten, der Indigenen und der Landleute, die im Bereich von São Felix del Araguaia of Mato Grosso, Brasilien, ihres Landes beraubt wurden.

Armut hat schon immer humane Aktionen und alle Arten von Interpretationen hervorgerufen. Die Armen fordern uns so sehr heraus, dass unsere Haltung ihnen gegenüber Einfluss auf unsere ultimative Begegnung mit Gott hat. Dies bestätigt sowohl das Totenbuch aus Ägypten als auch die jüdisch-christliche Tradition, die im Text des Matthäus-Evangeliums 25,31ff kulminiert.

Vielleicht besteht das größte Verdienst von Bischof Dom Pedro Casaldaliga darin, dass er die Herausforderungen der Armen der ganzen Welt, vor allem aber derer von Lateinamerika, die mit uns verbunden sind, absolut ernst nahm, sowie auch deren Befreiung.

Gewiss lebte er nach dem folgenden Prozess: Vor jeglicher Überlegung oder Hilfestrategie ist die allererste Reaktion zutiefst menschlich: sich selbst betroffen fühlen und voll Mitgefühl sein. Wie könnten wir nicht auf ihr Flehen hören oder missverstehen, was ihre flehenden Hände versuchen, uns mitzuteilen? Wenn Armut zu Elend wird, erweckt sie in allen sensiblen Personen, wie auch in Dom Pedro, Gefühle der Empörung und heiligen Zorns, wie man es klar in den prophetischen Texten lesen kann, vor allem in denen gegen das kapitalistische und imperialistische System, das immer weiter Armut und Elend hervorruft.

Liebe und Empörung sind die Grundlage der Aktionen, denen es darum geht, Armut zu lindern oder zu beseitigen. Nur diejenigen, die zutiefst lieben und diese unmenschliche Situation nicht akzeptieren, sind wirklich auf der Seite der Armen. Und Dom Pedro bezeugte diese bedingungslose Liebe.

Doch wir sind auch Realisten, denn bereits im Buch Deuteronomium wird gewarnt: “Die Armen werden niemals ganz aus deinem Land verschwinden. Darum mache ich dir zur Pflicht: Du sollst deinen notleidenden und armen Brüdern und Schwestern, die in deinem Land leben, deine Hand öffnen.“ Die Urkirche Jerusalems wird gelobt, dass es in ihr niemanden gab, dem es an etwas gemangelt hätte, denn sie teilten alles, was sie besaßen.
Die Empörung und das Mitgefühl waren es, was Dom Pedro dazu brachten, Spanien zu verlassen und nach Afrika zu gehen und schließlich nicht nur in Brasilien zu landen, sondern dort im Landesinnern, wo die Landleute und die Indigenen die Gier des nationalen und des internationalen Kapitalismus ertragen müssen.

1. Lesart über den Skandal der Armut

Um die Anti-Wirklichkeit, welche die Armut darstellt, adäquat zu verstehen, sind folgende Klarstellungen hilfreich, die dazu dienen sollen, unser Zusammensein mit den Armen effizient zu gestalten. In den aktuellen Debatten sind drei unterschiedliche Auffassungen über Armut zu beobachten.

Als erstes die traditionelle Sichtweise, die unter einem Armen jemanden versteht, der nicht über die notwendigen Mittel zum Leben verfügt, um Miete zu bezahlen, ein Zuhause zu haben, mit einem Wort: dem es an materiellen Gütern mangelt. Die Armen überleben Arbeitslosigkeit oder unterbezahlte Arbeit und Niedriglöhne. Das System erachtet sie als ökonomische Nullen, verbranntes Öl, Überreste. Da besteht die Strategie in der Mobilisierung derer, die besitzen, um denen zu helfen, die nicht besitzen.

Jahrhundertelang wurde eine breite Unterstützung in Namen dieser Vision organisiert. Eine Wohlfahrtspolitik, doch keine partizipatorische, wurde ins Leben gerufen. Dabei handelt es sich um eine Haltung und Strategie, die die Armen in einer Abhängigkeit hält. Die Armen haben ihr transformatives Potenzial noch nicht entdeckt.

Im zweiten Fall, der progressiven Sichtweise, ist das Potenzial der Armen erkannt und durchschaut, dass dieses Potenzial nicht genutzt wird. Durch Bildung und Ausbildung können die Armen sich qualifizieren und weiter entwickeln. Auf diese Weise werden die Armen in den Produktionsprozess einbezogen. Sie verstärken das System, werden Konsumenten, wenn auch auf einem niedrigen Niveau, und tragen dazu bei, die ungerechten sozialen Verhältnisse aufrechtzuhalten, die weiterhin Armut hervorbringen. Dem Staat kommt die Hauptrolle zu in der Schaffung von Arbeitsplätzen für die sozial Schwachen. Die moderne, liberale und progressive Gesellschaftsschicht hat diese Perspektive eingenommen.

Die traditionelle Sichtweise sieht zwar die Armen, erfasst aber nicht ihren kollektiven Charakter. Die progressive Lesart entdeckt zwar den kollektiven Charakter, hat aber nicht erkannt, dass dieser Charakter konfliktbeladen ist. Analytisch betrachtet resultiert die Armut aus Ausbeutungsmechanismen, die die Menschen verarmen und auf diese Weise einen ernsten sozialen Konflikt erzeugen. Diese Mechanismen aufzudecken war und ist immer noch das historische Verdienst von Karl Marx. Ein Gesellschaftstypus, der stets Arme und Ausgeschlossene produziert und reproduziert, ehe er sie in den laufenden Produktionsprozess integriert, muss immer kritisiert werden.

Die dritte Position ist die der Befreiung, die zutiefst davon überzeugt ist, dass die Armen das Potenzial haben, nicht nur die Arbeitskraft und das System zu verstärken, sondern wesentlich seine Mechanismen und seine Logik zu verändern. Die Armen, die ein Bewusstsein dafür haben, sich organisieren und mit anderen Verbündeten zusammentun, können einen neuen Typus von Gesellschaft bilden. Die Armen können nicht nur planen, sondern auch die Bildung einer Demokratie umsetzen, die offen ist für die Partizipation aller auf ökonomischem und sozial-ökologischem Gebiet. Die Universalität und Fülle dieser grenzenlosen Demokratie nennt sich Sozialismus. Dies ist weder eine Perspektive der Wohlfahrt noch ist sie progressiv. Es ist wahrhafte Befreiung, denn sie macht die Unterdrückten zu den Hauptakteuren ihrer eigenen Befreiung und zu den Schöpfern einer alternativen Vision von Gesellschaft.

Die Befreiungstheologie übernahm dieses Verständnis von Armut. Dieser Theologie geht es um die Option für die Armen gegen Armut und zugunsten des Lebens und der Freiheit. Aus Solidarität mit den Armen selbst arm zu werden ist ein Engagement gegen die materielle, wirtschaftliche, politische, kulturelle und religiöse Armut. Das Gegenteil von Armut ist nicht Reichtum, sondern Gerechtigkeit und Gleichberechtigung.

Diese zuletzt genannte Perspektive war und ist immer noch zu beobachten und umgesetzt durch Dom Pedro Casaldaliga in all seinen pastoralen Tätigkeiten. Er setzt sogar sein Leben aufs Spiel, um die durch die Großgrundbesitzer von ihrem Land Vertriebenen zu unterstützen. Zusammen mit den Kleinen Schwestern Jesu aus dem Orden von Charles de Foucauld half Dom Pedro bei der Rettung der Tapire, die von der Auslöschung bedroht waren. Es gibt keine soziale und volksnahe Bewegung, die nicht durch diesen Seelsorger unterstützt worden wäre, der sich durch eine außerordentliche Menschlichkeit und Spiritualität auszeichnet.

2. Die andere Armut: die essentielle Armut und die Armut des Evangeliums

Es gibt noch zwei weitere Dimensionen von Armut, die im Leben von Dom Pedro eine Rolle spielen: die essentielle Armut und die des Evangeliums.

Die essentielle Armut resultiert aus unserer Beschaffenheit als Geschöpfe, eine Armut, die konsequenterweise eine ontologische Grundlage hat, d. h. sie ist unabhängig von unserem Willen. Diese Armut entsteht aus der Tatsache, dass wir unsere Existenz nicht uns selbst zu verdanken haben. Wir existieren in Abhängigkeit von Nahrung, Wasser und den ökologischen Bedingungen des Planeten Erde. In diesem radikalen Sinn sind wir arm. Weder gehört die Erde uns noch haben wir sie geschaffen. Wir sind ihre Gäste, Durchreisende auf einem weiten Weg. Noch mehr: menschlich sind wir abhängig von Personen, die uns willkommen heißen und die mit uns leben, mit den Höhen und Tiefen die unserer menschlichen Kondition eigen sind. Wir sind alle gegenseitig voneinander abhängig. Niemand lebt in und von sich selbst. Wir alle sind involviert in einem Netzwerk von Beziehungen, die unser materielles, psychologisches und spirituelles Leben sichern. Daher sind wir arm und voneinander abhängig.

Diese Conditio humanae zu akzeptieren macht uns demütig und menschlich. Arroganz und übertriebene Selbstbehauptung haben hier keinen Platz, denn diese Eigenschaften können sich nicht selbst aufrechterhalten. Diese Situation lädt uns ein, großzügig zu sein. Wenn wir unser Dasein von anderen empfangen, müssen wir es auch anderen zur Verfügung stellen. Diese essenzielle Abhängigkeit lässt uns dankbar sein gegenüber Gott, dem Universum, der Erde und gegenüber allen, die uns so annehmen, wie wir sind. Dies ist essentielle Armut. Dieser Art von Armut machte Dom Pedro zu einem mystischen Bischof, der allen für alles dankbar ist.

Es gibt auch die Armut des Evangeliums, die von Jesus als eine der Seligpreisungen genannt wurde. In der Version des Matthäus-Evangeliums heißt es: „Selig, die arm sind von Gott, denn ihnen gehört das Himmelreich“ (5,3). Diese Art von Armut steht nicht in direkter Verbindung zu Besitz oder Nicht-Besitz, sondern zu einer Seinsweise, einer Haltung, die wir als spirituelle Kindlichkeit bezeichnen könnten. Armut ist hier Synonym für Demut, Loslösung, inneres Leersein, Verzicht auf jeglichen Willen zur Macht und Selbstbehauptung. Sie impliziert die Fähigkeit, sich selbst zu leeren, um Gott aufzunehmen, Anerkennung der Beschaffenheit des Geschöpfs, vor dem Reichtum der Liebe Gottes, die uns ohne Gegenleistung zuteil wird. Das Gegenteil von Armut ist hier Stolz, Großtuerei und das Verschließen seiner selbst vor den anderen und vor Gott.
Diese Armut bezeichnete die spirituelle Erfahrung des historischen Jesus: Er war nicht nur materiell arm und nahm sich der Sache der Armen an, sondern er machte sich selbst auch arm im Geiste, denn „er entäußerte sich und wurde wie ein Sklave und den Menschen gleich. Sein Leben war das eines Menschen; er erniedrigte sich und war gehorsam bis zum Tod, bis zum Tod am Kreuz“ (Phil 2,7-9). Diese Armut ist der Weg der Evangelien, weshalb sie auch als evangelische Armut bezeichnet wird, wir der Hl. Paulus vorschlägt: „Seid untereinander so gesinnt, wie es dem Leben in Christus Jesus entspricht“ (Phil 2,5).

Der Prophet Zefanja erlebte diese Armut im Geiste als er schrieb: „An jenem Tag brauchst du dich nicht mehr zu schämen wegen all deiner schändlichen Taten, die du gegen mich verübt hast. Ja, dann entferne ich aus deiner Mitte die überheblichen Prahler, und du wirst nicht mehr hochmütig sein auf meinem heiligen Berg. Und ich lasse in deiner Mitte übrig ein demütiges und armes Volk, das seine Zuflucht sucht beim Namen des Herrn“ (Zef 3,11-12).

Diese evangelische Armut und spirituelle Kindlichkeit stehen für die sichtbarsten und überzeugendsten Eigenschaften der Persönlichkeit von Dom Pedro Casaldaliga in seiner armen, doch stets sauberen Kleidung, in seiner humorvollen Sprache, selbst wenn er die Absurditäten der finanzwirtschaftlichen Globalisierung und der neoliberalen Arroganz heftig kritisiert, oder wenn er prophetisch die mittelmäßige Vision der zentralen Führung der Kirche angesichts der Herausforderungen der Elenden dieser Erde anprangert oder wenn es um Themen geht, die die ganze Menschheit betreffen. Diese Haltung der Armut zeigt sich beispielhaft in den Begegnungen mit Christen der Basisgemeinschaften, die in der Regel arm sind, wenn er unter ihnen sitzt und mit tiefer Aufmerksamkeit dem zuhört, was sie sagen, oder wenn er zu den Füßen der Referenten sitzt, seien es Theologen, Soziologen oder Träger anderen qualifizierten Wissens, ihnen zuhört, sich ihre Ideen notiert und demütig Fragen stellt. Diese Offenheit enthüllt ein inneres Leersein, das es ihm ermöglicht, kontinuierlich zu lernen und seine weisen Gedanken über die Wege der Kirche, Lateinamerikas und der Welt darzulegen.

Wenn die gegenwärtigen turbulenten Zeiten vorbei sein werden, wenn Misstrauen und Bosheit vom Strudel der Zeit verschluckt sein werden, wenn wir zurück auf die Vergangenheit blicken und die letzten Jahrzehnte des 20. Jahrhunderts und des Beginns des 21. Jahrhunderts bedenken werden, werden wir einen Stern am Himmel unseres Glaubens erkennen, einen Stern, der scheint, nachdem er Wolken durchquert, Dunkelheit ertragen und Stürme überwunden hat: Es wird die einfache, arme, demütige, spirituelle und heilige Gestalt eines Bischofs sein, der, auch wenn er aus einem anderen Land stammte, einer der Unsrigen wurde, und der trotz seiner Distanz uns nahe kam und Bruder aller wurde, ein universeller Bruder: Dom Pedro Casaldaliga, der heute seinen 90. Geburtstag feiert.

Leonardo Boff
16.02.2018

*Leonardo Boff, geb. 1938, ist ein Theologe, Philosoph und Autor, der mit Michail Gorbatschow, Maurice Strong u. a. das Dokument der UNO schrieb und publizierte: die Erd-Charta. Er ist bewegt, fasziniert und inspiriert durch Dom Pedro Casaldaliga.

Veröffentlicht unter Uncategorized | Verschlagwortet mit , , , , , | Kommentar hinterlassen

Die Zukunft der Erde fällt nicht vom Himmel

Leonardo Boff
Öko-Theologe und Philosoph
Erdcharta Kommission

 

Den meisten Leserinnen und Lesern wird es schwer fallen zu akzeptieren, was ich heute schreibe. Obwohl in den besten wissenschaftlichen Köpfen verankert, die an der Universität studierten, ist die Situation des Planeten Erde und ihr eventueller Kollaps oder qualitativer Sprung in ein anderes Realitätslevel seit fast einem Jahrhundert weder ins kollektive Bewusstsein eingedrungen noch in die größeren akademischen Institute. Das alte atomische, mechanistische und deterministische Paradigma, entstanden im 16. Jh. durch Newton, Francis Bacon und Kepler, besteht beharrlich weiterhin, als hätte es Einstein, Hubble, Planck, Heisenberg, Reeves, Hawking, Prigogine, Wilson, Swimme, Lovelock, Capra und so viele andere nie gegeben, die eine neue Vision des Universums und der Erde ausarbeiteten.

Zu Beginn möchte ich Christian de Duve zitieren, den Nobelpreisträger für Biologie von 1974, der eines der besten Bücher über die Geschichte des Lebens schrieb: „Vital Dust: Life as a Cosmic Imperative (Aus Staub geboren. Leben als kosmische Zwangsläufigkeit, 1995): „Die biologische Evolution treibt mit einem beschleunigten Rhythmus auf eine ernsthafte Instabilität zu. Unsere Zeit erinnert uns an die großen Umbrüche in der Evolution, die durch massives Artensterben geprägt waren“ (S. 355). Diesmal wird die Ursache kein riesiger Meteorit sein, der fast alles Leben eliminiert wie in vergangenen Epochen, sondern die Ursache wird der Mensch selbst sein, der nicht nur selbstmörderisch und gemeingefährlich sein kann, sondern der auch eine Gefährdung für die Umwelt, das Leben und den Planeten darstellt. Der Mensch ist in der Lage, fast alles Leben auf unserem Planeten auszulöschen, sodass nur noch die unterirdischen Mikroorganismen überleben, Bakterien, Pilze und Viren, deren Anzahl in die Billiarden geht.

Angesichts dieser Bedrohung, dem Resultat der Todesmaschine, die durch die Irrationalität der Moderne geschaffen wurde, führte man den Begriff „anthropozentrisch“ ein zur Bezeichnung der  Gegenwart als eine neue geologische Ära, in welcher die große Bedrohung von Zerstörung durch den Menschen (Anthropos) selbst kommt. Der Mensch hat in den Rhythmus der Natur und der Erde interveniert und setzt dies tiefgreifend fort, was die eigentliche ökologische Basis, die uns trägt, beeinträchtigt.

Gemäß den Biologen Wilson und Ehrlich werden jährlich zwischen 70 und 100 Tausend Spezies aussterben aufgrund des feindseligen Verhältnisses, das der Mensch zur Natur aufrechterhält.  Die Konsequenz ist klar: Die extremen Ereignisse, die wir erleben, zeigen unwiderlegbar, dass die Erde aus dem Gleichgewicht gekommen ist. Nur ein Ignorant, so wie Donald Trump es ist, leugnet diese empirische Evidenz.

Der berühmte Kosmologe, Brian Swimme, der in Kalifornien ein Dutzend Wissenschaftler anleitet, die die Geschichte des Universums erforschen, tut sich hingegen schwer, einen Ausweg zu finden. Bei dieser Gelegenheit möchte ich darauf hinweisen, dass der Kosmologe Swimme und der Kultur-Anthropologe Thomas Berry eine Geschichte des Universums herausgaben, die auf den besten wissenschaftlichen Daten basiert, vom Urknall bis heute (The Universe Story, San Francisco, Harper 1992), was bis heute als das brillanteste Werk gilt. (Die Übersetzung ins Portugiesische wurde bereits angefertigt, doch die brasilianischen Verleger waren zu töricht, und bis heute wurde es dort noch nicht publiziert. Die spanische Übersetzung wurde gering geschätzt, da das Buch der konkreten Situation der USA zu viel Raum gibt). Die Autoren entwarfen das Konzept „die ökozoische Ära“ oder das „Ökozoikum“, eine vierte biologische Ära, die auf das Paläozoikum, Mesozoikum und unser Neozoikum folgt.

Das Ökozoikum beginnt mit einer Sichtweise des Universums als kosmogenetisch. Sein Markenzeichen ist nicht die Beständigkeit, sondern die Evolution, Expansion und Selbst-Erschaffung von immer komplexerem „Entstehenden“. Dadurch wird die Geburt neuer Galaxien, neuer Sterne und Lebensformen auf der Erde möglich, einschließlich unseres bewussten und spirituellen Lebens.

Die Autoren schrecken vor dem Begriff „spirituell“ nicht zurück, denn sie begreifen, dass der Geist Teil des Universums selbst ist, stets präsent und der in einer fortgeschrittenen Phase der Evolution selbst-bewusst wurde und uns selbst als Teil des Ganzen versteht.

Diese ökozoische Ära repräsentiert eine Restauration des Planeten durch ein Verhältnis, das geprägt ist von Achtsamkeit, Respekt und Hochachtung gegenüber dem wunderbaren Geschenk der lebendigen Erde. Die Ökonomie sollte nicht Akkumulation anstreben, sondern nur das, was für alle notwendig ist, sodass die Erde ihre Nährstoffe reproduzieren kann. Die Zukunft der Erde fällt nicht vom Himmel, sondern hängt ab von den Entscheidungen, die wir treffen, um im Einklang mit den Rhythmen der Natur und dem Universum zu bleiben. Ich zitiere Swimme:

Die Zukunft wird entweder durch diejenigen bestimmt, die dem Technozoikum angehören – eine Zukunft mit steigender Ausbeutung der Erde als Ressource, stets zum Vorteil der Menschen – oder durch diejenigen, die sich dem Ökozoikum verschrieben haben, einer neuen Weise, mit der Erde in einem Verhältnis zu stehen, in welchem dem Wohlbefinden der Erde und der gesamten Gemeinschaft irdischen Lebens das Hauptinteresse gilt (S. 502).

Wenn das Ökozoikum sich nicht durchsetzt, werden wir aller Wahrscheinlichkeit nach eine Katastrophe erleben, diesmal von der Erde selbst hervorgerufen, womit sie sich von einer Spezies ihrer Kreaturen befreien wird, die alles auf gewaltsame Weise besetzte, indem sie eine andere Spezies bedrohte, die durch die gemeinsame Abstammung und dasselbe genetische Erbe ihre Brüder und Schwestern sind, was aber nicht anerkannt wird und in deren Missbrauch und sogar Mord mündet.

Unser Überleben auf diesem Planeten müssen wir uns verdienen. Doch dies hängt davon ab, ob wir ein freundschaftliches Verhältnis zu Natur und Leben pflegen, und von einer tiefgreifenden Veränderung unserer Lebensweisen. Swimme fügt hinzu: „Wir werden nicht in der Lage sein zu überleben, ohne eine besondere Intuition (Innensicht), die die Frauen schon immer in allen Phasen der menschlichen Existenz hatten“ (S. 501).

Dies ist der Scheideweg unserer Zeit: uns entweder zu verändern oder auszusterben. Doch wer glaubt das schon? Wir werden weiterhin laut unsere Stimme erheben.

Leonardo Boff
12.01.2018

Veröffentlicht unter Uncategorized | Verschlagwortet mit , , | Kommentar hinterlassen